Athletecare · Screening & Return to Sport

Das H:Q-Verhältnis sichtbar gemacht

Wie stark ist die Beinrueckseite im Vergleich zur Vorderseite? Dieses Verhältnis entscheidet mit darueber, ob ein Knie belastbar ist — in der Reha genauso wie in der Praevention.

1Was das Verhältnis beschreibt

Der Oberschenkel arbeitet als Gegenspieler-Paar. Der Quadrizeps streckt das Knie und erzeugt beim Landen und Abbremsen einen nach vorne gerichteten Zug am Schienbeinkopf. Die ischiokrurale Muskulatur beugt das Knie und bremst genau diesen Zug ab — sie entlastet damit direkt das vordere Kreuzband. Das H:Q-Verhältnis setzt beide ins Verhältnis: Hamstring-Kraft geteilt durch Quadrizeps-Kraft. Ist die Rueckseite relativ zu schwach, fehlt dem Knie sein wichtigster aktiver Stabilisator.

QUADRIZEPSHAMSTRING520N312N
Quadrizeps-Kraft520 N
Hamstring-Kraft312 N
H : Q = 312 N ÷ 520 N
0,60(60 %)
Optimal
Ausgewogenes Verhältnis — die Rueckseite kann den Quadrizeps-Zug wirksam abbremsen. Screening-Zielkorridor.
0,300,500,600,801,00+
< 0,50 — Quad-dominantRueckseite zu schwach, klarer Trainingsbedarf
0,50–0,60 — grenzwertigTolerierbar, Ziel nicht erreicht
0,60–0,80 — optimalAngestrebter Screening-Korridor
> 0,80 — sehr balanciertQuadrizeps-Wert auf Plausibilitaet pruefen
2Zwei Verhältnisse — nicht verwechseln

In der Literatur kursieren zwei Kennzahlen unter demselben Namen. Fuer die Einordnung eigener Messwerte ist entscheidend, welche gemeint ist — die Zielwerte liegen voellig unterschiedlich.

Konventionell · mit HHD erfassbar

H : Q aus Maximalkraft

Korridor 0,60 – 0,80

Beide Muskelgruppen werden unter derselben Bedingung gemessen und ins Verhältnis gesetzt. Das ist der Wert, den unser HHD-Screening liefert: gut reproduzierbar, verlaufsfaehig, seitenvergleichbar.

Funktionell · mit HHD nicht erfassbar

Hexz : Qkonz

Ziel ≥ 1,0

Exzentrische Hamstring-Kraft gegen konzentrische Quadrizeps-Kraft — biomechanisch naeher an der realen Landebelastung. Erfordert ein isokinetisches Dynamometer. Isometrische HHD-Messung kann diesen Wert nicht ersetzen; die Korridore der beiden Kennzahlen sind nicht ineinander umrechenbar.

3Wie wir es messen — HHD-Protokoll

Wir erfassen die isometrische Maximalkraft mit dem Hand-Held-Dynamometer in Newton: Knieextension fuer den Quadrizeps, Knieflexion fuer die Hamstrings. Reproduzierbarkeit entscheidet ueber die Aussagekraft — deshalb ist das Protokoll wichtiger als der Einzelwert.

1
Gelenkwinkel festlegen und beibehalten

Isometrische Kraft ist stark winkelabhaengig. Der einmal gewaehlte Testwinkel gilt fuer alle Messungen und alle Verlaufskontrollen — sonst vergleicht man Aepfel mit Birnen.

2
Fixierung statt Untersucherkraft

Gurt- oder Widerlagerfixierung verwenden, damit nicht der Untersucher zum limitierenden Faktor wird. Testmodus (Make- oder Break-Test) festlegen und konsequent beibehalten.

3
Drei Versuche, definierte Auswertung

Je Muskelgruppe drei Maximalkontraktionen mit Pause. Vorab festlegen, ob Bestwert oder Mittelwert verwendet wird — und dabei bleiben.

4
Quotient bilden, beide Seiten

H-Wert geteilt durch Q-Wert, seitengetrennt. Zusaetzlich Seitenvergleich (LSI) dokumentieren. Normierung auf Koerpergewicht (N/kg) macht Werte zwischen Athleten vergleichbar.

Methodische Stolperfalle bei HHDDie Knieextension erreicht regelmaessig Kraftwerte, die manuell kaum zu halten sind. Wird der Quadrizeps dadurch unterschaetzt, faellt das H:Q-Verhältnis faelschlich zu hoch aus — ein Defizit kann so als unauffaellig erscheinen. Auffaellig hohe Werte deshalb immer gegen Fixierung, Seitenvergleich und klinischen Befund pruefen. Die hier gezeigten Korridore stammen ueberwiegend aus isokinetischen Untersuchungen; fuer isometrische HHD-Werte zaehlt in erster Linie die interne Konsistenz des eigenen Protokolls.
4Interaktiver H:Q-Ratio-Kalkulator

Berechne deine H:Q Ratio. Gib die Kraft-Messwerte ein — bei unserem HHD-Screening in Newton (N). Isokinetische Drehmomentwerte in Nm funktionieren ebenso, solange beide Felder dieselbe Einheit verwenden.

Beide Werte in derselben Einheit — N mit N, Nm mit Nm.

5Wo wir es einsetzen

Return to Sport

Nach Kreuzbandverletzung ist die Rueckseite relativ zum Quadrizeps haeufig unterentwickelt. Das H:Q-Verhältnis gehoert zu den Freigabe-Kriterien: Erst wenn die Hamstrings den Quadrizeps-Zug wieder abbremsen koennen, gilt das Knie als aktiv stabilisiert — neben Kraftsymmetrie, Hop-Tests und Bewegungsqualitaet.

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Athletecare-Screening

Bei uns laeuft das H:Q-Verhältnis nicht erst nach einer Operation, sondern als fester Bestandteil des Praeventions-Screenings — um ein unguenstiges Kraefteverhaeltnis zu erkennen, bevor daraus eine Verletzung wird, und gezielt gegenzusteuern.

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Hinweis: Die dargestellten Zonen sind eine didaktische Vereinfachung fuer die Patienten- und Athletenaufklaerung und ersetzen keine individuelle Befundung. Klinische Entscheidungen im Athletecare-Screening und in der Return-to-Sport-Freigabe beruecksichtigen immer Messmethode und Testwinkel, Seitensymmetrie sowie den individuellen Verlauf.

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